Die Sache mit der FIP (feline infektiöse Peritonitis)
und andere Gedanken
Im Frühjahr 2000 erkrankte unser Zuchtkater an FIP und musste eingeschläfert werden.
Alle unsere Tiere einschließlich des Hauskaters und der gerade acht Wochen alten Kitten
wurden umgehend nach folgendem Schema untersucht: „FIP-Screening“ mit Leberwerten,
Elektrophorese und PCR-Test auf Coronaviren im Blut. Bis auf einen kleinen Kater zeigten
zum Glück alle Tiere keinen Hinweis auf eine Coronavirusinfektion.
Der kleine Kerl wurde sofort isoliert und wir haben ihn in Einzelhaltung vermittelt,
nachdem wir die zukünftigen Besitzer über alle möglicherweise auftretenden Problematiken
informiert haben. Er war zwar Coronaviruis-positiv, aber das bedeutete ja nicht zwingend,
dass er auch an FIP erkranken würde - übrigens erfreut er sich heute immer noch bester
Gesundheit. Deshalb ist es auch unverständlich, wenn immer wieder davon zu lesen ist,
dass Katzen, die zwar Coronavirus-positiv sind, aber keine Krankheitszeichen zeigen,
eingeschläfert werden.
Nach einer Zwingersperre von einem halben Jahr wurde der o.g. Test bei allen unseren
Katzen wiederholt, auch jetzt erwiesen sich alle als negativ.
Im September 2001 wurde nach dem Besuch einer Katzenausstellung bei einem unserer zwölf
Wochen alten Jungtiere FIP diagnostiziert. Zwei weitere Kitten des Wurfes steckten sich
an, die beiden anderen Wurfgeschwister blieben verschont. Alle in unserem Haushalt
lebenden Tiere wurden erneut getestet, dieses Mal auch mit PCR-Test auf Coronaviren im
Stuhl, um den eventuellen Dauerausscheider festzustellen, der dazu geführt haben könnte,
dass erneut FIP in unserem Zwinger ausgebrochen war. Ergebnis: Alle Tiere negativ, keine
Dauerausscheider!
Fakt ist: Leben in einem Zwinger keine Tiere, die Coronaviren ausscheiden, können sie
keine anderen Katzen mit Coronaviren infizieren.
Es ist in den letzten Jahren in verschiedenen Katzenzeitschriften viel über diese
Krankheit geschrieben worden und inzwischen weiß man, dass es, aus welchen Gründen auch
immer, nur einzelne Tiere trifft, nicht aber den gesamten Bestand. Auch eventuelle
schlechte Haltungsbedingungen, die ebenfalls zu einer Infektion führen können, treffen
bei uns nicht zu - unser Zwinger kann jederzeit unangemeldet besichtigt werden; ich müsste
nicht erst in hektische Betriebsamkeit verfallen, um unser Haus zu putzen und unsere Tiere
womöglich aus irgendwelchen dunklen Verschlägen hervorzuholen!
Beide FIP-Vorfälle ereigneten sich kurz nach dem Besuch einer Katzenausstellung, so dass
sich der Verdacht aufdrängt, die Tiere könnten sich mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit
dort infiziert haben. Möglichkeiten der Ansteckung gibt es bekanntlich viele. Da selbst
wir Menschen Coronaviren in uns tragen, ist es auch denkbar, unsere Katze zu infizieren,
wenn wir uns nach dem Toilettengang nicht die Hände waschen.
Im Übrigen werden alle unsere Tiere gegen FIP geimpft, sobald dies altersmäßig möglich
ist. Dieser Umstand hat sie wohl auch davor bewahrt, sich bei den erkrankten Katzen
anzustecken. Was auch immer gegen diese Prophylaxe vorgebracht wird, ich bin nach wie vor
der festen Überzeugung, dass sie immer noch den besten Schutz gegen eine Infektion bietet.
Auch in der Humanmedizin gibt es keinen Impfstoff, der hundertprozentig schützt; so
erkrankte unser Sohn z.B. trotz Impfung an Keuchhusten. Dennoch käme wohl kaum jemand auf
die Idee, sein Kind oder sich selbst nicht impfen zu lassen! Und genau denselben
größtmöglichen Schutz geben wir unseren Katzen.
Leider sind nicht einmal alle Tierärzte kompetent genug, um die richtige Diagnose zu
stellen. Der Kater einer befreundeten (früheren) Züchterin wurde von zwei Veterinären
nacheinander behandelt, ohne dass die Coronavirus-Infektion festgestellt wurde. Erst
der Notarzt diagnostizierte dann nach drei Monaten „FIP im Endstadium“ und erlöste das
Tier von seinen Leiden. Wenn ein Züchter FIP im Bestand hat, ohne es zu wissen, weil
sein Tierarzt völlig unfähig ist, dann ist das eine Katastrophe.
Einmal las ich in einer
Katzenzeitschrift, ein Züchter, der öffentlich zugebe, dass
es in seiner Zucht FIP-Vorfälle gegeben habe, begehe so etwas wie
Harakiri. Ich bin von Anfang an ganz offen mit der Problematik
umgegangen, eben weil es jeden treffen kann wie bei jeder anderen
Infektion auch. Natürlich wurde in der Szene geredet,
aber damit kann ich leben. Es stimmt nämlich recht nachdenklich,
dass die lautesten Stimmen ausgerechnet von denen kommen, die ihre
eigenen Tiere weder impfen noch entsprechend untersuchen lassen...
Ich würde mir wünschen, dass alle mit dem Thema FIP so offen umgingen, wie das in den
USA üblich ist, wo sich die Züchter gegenseitig unterstützen, statt sich auf üble
Nachrede zu beschränken. Auch sollten die Vereine stärker gefordert werden, indem sie
konsequent kontrollieren, ob ihre Zucht- und Haltungsrichtlinien auch befolgt werden.
Warum wird in vielen Vereinen eigentlich immer nur Rücksicht auf die Züchter genommen
und nicht auf die Katzen, um die es doch letztendlich geht und die die Leidtragenden
sind? Warum sind Wurfabnahmen und Zwingerkontrollen nicht überall die Regel? Auch
kompetente Tierärzte sollten genannt werden können. Ich verlange von einem Verband
nicht nur das Ausstellen der Stammbäume, sondern vor allem Unterstützung bei allen
auftretenden Problemen. Leider scheint das Hauptaugenmerk vieler Vereine nur darauf
zu liegen, ihre Mitglieder nicht zu verärgern und eventuell an einen anderen Verband
zu verlieren.
Mir sind namentlich mehrere Züchter bekannt, die nur diejenigen ihrer Tiere impfen
lassen, die sie verkaufen oder ausstellen wollen. Dies wäre in dem Verein, dem ich
angehöre, den Katzenfreunden Norddeutschland (KFND) e.V., übrigens gar nicht möglich.
Hier gelten strengste Zwingerkontrollen und tierärztliche -
letztendlich: dem
Tierschutz entsprechende! - Auflagen. Selbstverständlich kostet das alles viel Geld
(unsere Tierarztrechnungen der Jahre 2000 und 2001 entsprechen in etwa dem
Anschaffungspreis für einen mittleren Kleinwagen), aber wer meint, er könne mit der
Katzenzucht Geld verdienen, liegt ohnehin völlig falsch, das ist nun mal ein sehr
teures Hobby, wenn man es denn seriös und verantwortungsbewusst betreibt. Und
„Vermehrer“, die es nur aufs Geld abgesehen haben, werden bei uns sowieso nicht
akzeptiert - und schon gar nicht als Mitglied aufgenommen.
Ich würde mit FIP-infizierten Tieren züchten, wurde mancherorts erzählt. Es ist schon
etwas merkwürdig: Auf der einen Seite werden die Katzenfreunde Norddeutschland e.V.
belächelt und sogar angefeindet, weil sie Tierschutzrichtlinien konsequent umsetzen
und das auch von ihren Züchtermitgliedern verlangen (Tenor: „Die Auflagen, die die
machen, kann ja keiner erfüllen!“ - Nein, kann er auch nicht, aber nur der nicht, der
den Gang zum Tierarzt und vor allem die damit verbundene Geldausgabe scheut!).
Andererseits aber unterstellt man demselben Verein, dass ein Züchter dort mit
FIP-infizierten Tieren züchten und diese auch noch ausstellen darf. Was von beidem
stimmt denn nun? Nebenbei gesagt - ich kann für meinen Zwinger ein tierärztliches
Attest vorlegen, in dem mir ein FIP-freier Bestand bescheinigt wird. Da darf doch die
Frage erlaubt sein, ob auch die lautesten Diffamierer in der Szene ein solches
Gutachten vorweisen können...?
Auch das Attest als solches wird angezweifelt, womit man unserer Tierärztin nicht
nur die fachliche Kompetenz abspricht, sondern ihr gleichzeitig noch die bodenlose
Dummheit unterstellt, ihre Zulassung aufs Spiel zu setzen.
Es gab und gibt übrigens nicht nur dummes Hinter-dem-Rücken-Gerede, sondern auch
Züchterkollegen, die mich immer wieder ermutigt haben. Mit Klatsch und Tratsch kann ich
gut leben, denn ich bin mir schließlich keiner Schuld bewusst, sondern habe schlicht
und ergreifend Pech gehabt. Womit ich allerdings ein Problem hätte, wäre, wissentlich
FIP-positive Tiere im Bestand zu haben und deshalb tagtäglich mit Anrufen von Käufern
meiner Kitten rechnen zu müssen, in denen mir mitgeteilt wird, dass eine der von mir
abgegebenen Katzen an FIP erkrankt ist.
Ich gebe zu, dass mir schon das eine oder andere Mal der Gedanke gekommen ist, ob es
wirklich klug war, die FIP-Erkrankungen in meinem Zwinger publik zu machen. Aber ich
würde es immer wieder tun, denn diese tödliche Infektion lässt sich, wenn überhaupt,
nur durch uneingeschränkte Offenheit in den Griff bekommen - so, wie das in den USA
üblich ist.
© Gabriele Mandel-Gärtner
Erschienen in „katzen extra“ 7/2002